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Soullight - Daniel Lüscher

Erfahrungsbericht

Lena Schmid – Körperarbeit: Qi Gong

Lena wollte im Qi Gong lernen abzuschalten, um danach wieder zu funktionieren. Stattdessen zwang sie die Praxis, auf die innere Leere und den jahrelangen Raubbau an sich selbst zu schauen. Was sie für fehlende Entspannung hielt, war längst der Preis dafür, ständig über ihre Grenzen zu gehen.

Lena erkannte, dass ihre Erschöpfung kein Mangel an Kraft war, sondern die Folge eines Lebens gegen sich selbst. Heute entsteht ihre Kraft wieder aus direktem Kontakt mit dem, was in ihr wirklich wahr ist.

Körperarbeit Erfahrungsbericht – Lena Schmid – Revolution durch Konfrontation, Soullight Schöftland

Lenas Erfahrung mit Soullight

Revolution durch Konfrontation

Mein Name ist Lena. Ich bin Finanzberaterin. Analytisch, strukturiert, lösungsorientiert – damit bin ich weit gekommen. Ich war es gewohnt, Probleme zu erfassen, Entscheidungen zu treffen und auch dann weiterzumachen, wenn es eigentlich längst genug war.

Müdigkeit hielt mich nicht auf. Anspannung war etwas, das man aushalten konnte. Und wenn etwas in mir unangenehm wurde, fand mein Verstand meistens schnell eine Erklärung dafür. Ich funktionierte. Und lange hielt ich genau das für Stärke.

Als meine Therapeutin mir den Kurs bei Daniel empfahl, suchte ich deshalb keine grundlegende Veränderung. Ich wollte meinen Stress besser in den Griff bekommen. Ein bisschen runterfahren, Energie zurückgewinnen und danach wieder funktionieren.

Doch schon die ersten Stunden machten mir klar, dass es bei Daniel so nicht laufen würde. Die Übungen verlangten nicht, dass ich etwas leiste, sondern dass ich wahrnehme. Und genau das fiel mir erstaunlich schwer. Sobald ich meinen Atem beobachten sollte, begann ich ihn zu steuern. Sobald eine Bewegung entstand, überprüfte ich sie. Ich korrigierte mich, verglich mich, bewertete mich. Sogar beim Loslassen war ich noch damit beschäftigt, ob ich es richtig machte.

Daniel beobachtete mich dabei und sagte: "Hör auf, die Übung zu managen. Lass dich von ihr berühren." Ich verstand sofort, was er meinte. Aber Verstehen war nie mein Problem. Mein ganzes System wehrte sich gegen das, was dieser Satz von mir verlangte: Kontrolle abzugeben, ohne zu wissen, was dann mit mir geschah.

Je länger ich dabei blieb, desto deutlicher meldete sich mein Körper. Meine Hände begannen zu zittern. Dann kam dieser massive Druck auf meiner Brust. Natürlich suchte mein Kopf nach Erklärungen. Stress im Büro. Schlafmangel. Verspannung. Falsche Haltung. Für alles gab es einen Grund. Und solange ich einen Grund hatte, musste ich mich mit nichts wirklich auseinandersetzen.

Dann kam dieser eine Abend.

Wir machten eine langsame, fliessende Sequenz. Atem und Bewegung gingen ineinander über. Und irgendwann passierte etwas, das zunächst fast unscheinbar war: Ich vergass das Mitzählen. Für einen kurzen Moment beobachtete ich mich nicht mehr. Ich korrigierte nichts. Ich versuchte nicht, die Übung richtig zu machen.

Ich war einfach da.

Und genau in diesem Moment brach auf, was ich so lange festgehalten hatte.

Die Tränen kamen ohne Vorwarnung. Nicht leise, nicht kontrolliert. Ich schluchzte aus einer Tiefe, von der ich nicht wusste, dass sie in mir existierte. Jahrzehnte des Durchhaltens und Funktionierens brachen sich Bahn. Beschämt versuchte ich noch, mich wieder zu fangen. Mein alter Reflex war sofort da: Fassade hoch, Haltung bewahren, weiter funktionieren. Aber diesmal kam ich damit nicht mehr durch.

Ich stand mitten im Raum und weinte mich leer. Und als ich erwartete, dass Daniel mich beruhigen oder trösten würde, kam er einfach auf mich zu und sagte: "Das ist kein Zusammenbruch, Lena. Das ist der Moment, in dem du aufbrichst und aufhörst, dich selbst zu belügen."

Dieser Satz traf mich, weil ich plötzlich etwas sah, das ich bis dahin nicht sehen wollte: Ich war nicht einfach erschöpft, weil mein Leben so viel von mir verlangte. Ich selbst hatte jahrelang dasselbe von mir verlangt. Ich hatte Müdigkeit übergangen, Grenzen verschoben, Gefühle kontrolliert und alles, was mich beim Funktionieren störte, zur Seite geschoben. Ich hatte mich dafür bewundert, wie viel ich aushalten konnte.

Dabei hatte ich mich genau darin immer wieder selbst übergangen.

Das war die eigentliche Erschütterung. Nicht das Weinen. Nicht der Kontrollverlust. Sondern die Erkenntnis, dass ich meine grösste Stärke bis dahin auch dafür benutzt hatte, mich selbst nicht mehr spüren zu müssen.

Danach wurde es still. Wie die Ruhe nach einem Gewitter. Zum ersten Mal seit Jahren musste ich nichts mehr beweisen, nichts kontrollieren und nichts erklären. Ich musste mich nicht wieder zusammennehmen. Mein Kopf durfte leer sein. Ich durfte einfach da sein.

Und plötzlich verstand ich etwas, das ich vorher nicht gesehen hatte: Mein Körper war nie mein Gegner gewesen. Er hatte meinen Erfolg nicht sabotiert. Er hatte mich die ganze Zeit darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich selbst dabei verlor.

Erst in den Wochen danach verstand ich, wie tief diese Erfahrung ging. Wenn mein Körper heute Müdigkeit, Spannung oder Unruhe zeigt, versuche ich nicht mehr automatisch, das Signal verschwinden zu lassen. Ich höre hin. Nicht weil ich jetzt alles besser kontrollieren kann, sondern weil ich nicht mehr glaube, dass Kontrolle die Antwort auf alles ist.

Auch mein Verständnis von Stärke hat sich verändert. Ich bin noch immer analytisch, strukturiert und leistungsfähig. Ich muss nichts davon aufgeben. Aber ich muss diese Fähigkeiten nicht mehr gegen mich selbst einsetzen. Stärke bedeutet für mich heute nicht mehr, alles auszuhalten. Sie bedeutet auch, etwas wahrzunehmen, bevor ich es wieder übergehe. Eine Grenze ernst zu nehmen, bevor mein Körper sie laut machen muss. Und mich nicht mehr selbst zu verlassen, nur damit ich weiter funktionieren kann.

Ich kam zu Daniel, weil ich lernen wollte, besser zu funktionieren. Stattdessen musste ich erkennen, dass genau darin mein Problem lag. Für mich war das die eigentliche Revolution.

Daniels Perspektive

Wenn Stille nicht entspannt, sondern aufweckt

Mich interessiert an Körperarbeit nicht in erster Linie die Bewegung. Mich interessiert, was sich in einem Menschen zeigt, sobald er sich nicht mehr vollständig über seinen Verstand steuern kann. Der Körper reagiert oft früher, als wir überhaupt merken, was in uns geschieht.

Die Spannung ist schon da, der Atem wird flacher, etwas zieht sich zusammen – und erst danach beginnt der Kopf, eine Erklärung dafür zu suchen. Genau deshalb ist Qi Gong für mich weit mehr als eine Form der Entspannung. Die Bewegung schafft einen Erfahrungsraum, in dem sichtbar wird, wie jemand tatsächlich mit sich umgeht.

Bei Lena war das von Anfang an deutlich. Sie konnte sehr viel über sich verstehen, aber ihr Körper zeigte etwas anderes. Selbst eine einfache Übung wurde von ihr sofort kontrolliert, bewertet und korrigiert. Sie wollte die Bewegung nicht einfach erfahren, sondern richtig machen. Selbst das Loslassen wurde zu etwas, das sie leisten wollte.

Genau darin lag für mich der Kern: Ihr Verstand hatte eine hervorragende Fähigkeit entwickelt, sich selbst zu steuern – und diese Fähigkeit war so selbstverständlich geworden, dass sie kaum noch bemerkte, wie wenig sie tatsächlich geschehen liess.

Das ist ein Muster, das mir in der Körperarbeit immer wieder begegnet. Ein Mensch weiss längst, dass er unter Druck steht. Er weiss vielleicht sogar sehr genau, warum. Und trotzdem reagiert der Körper beim nächsten Auslöser wieder genauso. Das Wissen verändert noch nichts, solange der eigentliche Ablauf nicht erfahren wird.

Bei Lena konnte man diesen Ablauf unmittelbar beobachten: Etwas wurde spürbar, und fast im selben Moment begann die Kontrolle. Genau dort wird Körperarbeit interessant. Nicht weil der Körper eine geheimnisvolle Wahrheit verkündet, sondern weil er sichtbar macht, was wir mit unserem Erleben tatsächlich tun.

Deshalb wollte ich bei Lena auch nicht möglichst schnell Entspannung herstellen. Das wäre an der eigentlichen Sache vorbeigegangen. Wenn jemand gelernt hat, alles unter Kontrolle zu halten, kann selbst Entspannung zur nächsten Aufgabe werden. Dann entsteht nicht wirklich mehr Freiheit, sondern nur eine neue Form von Selbststeuerung.

Die entscheidende Frage ist vielmehr: Was passiert, wenn ein Mensch einmal nicht eingreift? Was geschieht, wenn eine Empfindung da sein darf, ohne sofort erklärt, verändert oder beseitigt zu werden?

Bei Lena wurde diese Frage irgendwann nicht mehr theoretisch beantwortet. Ihr Körper liess sich nicht länger wegorganisieren. Das Zittern, der Druck, die zunehmende Spannung waren keine Dinge, die ich für sie lösen wollte. Sie zeigten mir, dass ihr bisheriger Umgang mit sich selbst an eine Grenze kam.

Genau dort beginnt für mich eine ernsthafte Arbeit: nicht mehr bei der Frage, wie wir ein Symptom loswerden, sondern bei der Frage, warum das System überhaupt so reagieren muss.

Das bedeutet auch, dass ich einen emotionalen Durchbruch nicht automatisch für die Veränderung halte. Starke Emotionen sind nicht das Ziel. Entscheidend ist, was dadurch sichtbar wird.

Bei Lena wurde sichtbar, wie eng ihre Vorstellung von Stärke mit Kontrolle, Leistung und Funktionieren verbunden war. Solange sie alles im Griff hatte, musste sie sich nicht mit dem auseinandersetzen, was darunter lag. Erst als dieses System für einen Moment nicht mehr greifen konnte, wurde etwas unmittelbar erfahrbar, das vorher immer wieder übergangen worden war.

Genau an diesem Punkt sehe ich einen wesentlichen Unterschied zwischen Verstehen und wirklicher Erkenntnis. Man kann sehr genau wissen, dass man zu viel arbeitet, sich zu wenig Ruhe gönnt oder ständig über die eigenen Grenzen geht. Das bedeutet noch lange nicht, dass dieses Wissen im Leben angekommen ist.

Erkenntnis wird erst dann lebendig, wenn sie nicht mehr nur ein Gedanke über uns selbst ist, sondern eine Erfahrung, die unser Verhältnis zu uns verändert. Das war bei Lena für mich der entscheidende Schritt. Ihr Körper war nicht länger etwas, das sie beim Funktionieren behinderte. Er wurde zu einem Zugang.

Die Müdigkeit, die Spannung und die Unruhe mussten nicht mehr bekämpft werden. Sie konnten gelesen werden als Hinweise darauf, wie sie mit sich selbst umging. Und dadurch verschob sich auch etwas Grundsätzlicheres: Kontrolle war nicht mehr die Voraussetzung dafür, dass es ihr gut gehen durfte.

Darum geht es mir in der Körperarbeit letztlich nicht darum, Menschen entspannter, belastbarer oder funktionaler zu machen. Das wäre zu wenig. Natürlich kann ein Körper ruhiger werden, der Atem freier, die Spannung geringer. Aber das sind für mich nicht die eigentlichen Fragen.

Mich interessiert, ob ein Mensch beginnt, den eigenen Körper nicht mehr als Gegner zu behandeln. Ob er wahrnimmt, bevor er reagiert. Ob er bleiben kann, ohne sofort eingreifen zu müssen. Und ob aus diesem Moment tatsächlich eine neue Wahl entsteht.

Bei Lena begann dieser Prozess mit dem Wunsch, ihren Stress besser in den Griff zu bekommen. Am Ende ging es um etwas viel Grundsätzlicheres: Sie musste nicht lernen, ihren Körper besser zu kontrollieren. Sie musste erfahren, dass sie ihm zuhören kann, ohne dadurch ihre Stärke zu verlieren.

Genau dort wird aus einer Übung Erfahrung. Und aus Erfahrung kann wirkliche Veränderung entstehen.

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