Religion oder Spiritualität?

Die Suche nach ewigem Frieden, Freiheit und Glück

Religion, auch familiäre, politische und wirtschaftliche, die uns lehrt, wie wir über die Welt zu denken und zu fühlen haben, lässt uns keinen Raum, in unser eigenes Verständnis des Lebens und der Welt hineinzuwachsen.

Beispielsweise lehren viele religiöse Autoritäten derzeit die Mitglieder ihrer Gemeinschaft, wie sie die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen sehen und wie sie wählen sollen. Anstatt den Mitgliedern zuzutrauen und sie sogar zu ermutigen, sich über die Welt zu informieren und ihre eigene Seele zu erforschen, sagen sie ihnen, wie sie denken und fühlen sollen. Schlimmer noch, sie fügen hinzu, dass es falsch oder sündhaft ist, anders zu denken und zu fühlen. Sie drohen mit beängstigenden Prophezeiungen darüber, was es für die Welt bedeuten wird, wenn ihre Mitglieder sich nicht so verhalten, wie sie es ihnen vorschreiben.

 

Das ist nicht nur Unterdrückung, sondern auch spiritueller und religiöser Missbrauch. Dennoch sind viele Anhänger dieser externen Führer viel zu ängstlich, um auch nur eine andere Option in Betracht zu ziehen.

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Spiritualität hingegen ist eine sehr persönliche und individuelle Reise in das innere Terrain der eigenen Seele. Die Person, die sich auf einer solchen spirituellen Reise befindet, kann alle möglichen äusseren Hilfsmittel nutzen, um auf dieser Reise voranzukommen, einschliesslich des Besuchs einer Kirche, eines Tempels oder einer Moschee, dem Studium bestimmter heiliger Texte oder der Teilnahme an Einzelgesprächen oder Beratungen durch und mit bestimmten religiösen Führern.

 

Was die Spiritualität jedoch ganz klar von der Religion unterscheidet, ist, dass sie uns zu uneingeschränkter Selbstverantwortung aufruft. Alles, auch das, was einem lieb und heilig ist, soll immer wieder hinterfragt, auf seinen Wahrheitsgehalt überprüft und nötigenfalls über den Haufen geworfen werden. Selbst auf unsere liebgewonnenen Ansichten über Gott oder den Status, den wir auf egoistische Weise unserer eigenen Bewusstseinsentwicklung beimessen, wird dabei keine Rücksicht genommen!

 

Wenn sich etwas als falsch erweist, dann ist es falsch, Punkt! Dass viele der heutigen Religionen, auch familiäre, politische und wirtschaftliche sich unglaublich schwer damit tun, kann jeder, der hinschaut, mit Leichtigkeit erkennen. Das Religion sehr gut mit Lügen und blindem Glauben koexistieren kann, hat uns die Geschichte bis zum heutigen Zeitpunkt abermals bewiesen. Doch für echte Spiritualität bedeutet blinder Glaube und Ignoranz den Todesstoss, den Speer des Schicksals, die heilige Lanze im Leib Christi.

 

Das ist auch der Grund, warum so viele diesen Weg wie die Pest scheuen, denn er ist sehr anspruchsvoll. Selbst von denen, die das Banner der Spiritualität vor sich her tragen, gehen viele diesen Weg nur halbherzig.

 

Nur wenige sind wirklich dazu bereit, bis an ihr Lebensende alles zu hinterfragen und sich weiterzuentwickeln. Allem voran dann, wenn die Verführung auftaucht, sich mit gewissen spirituellen Halbwahrheiten, selbstgerechten und selbst verherrlichenden Aussagen, die Nöte anderer und ihr eigenes Fehlverhalten, mit dem sie dazu beitragen, zu rechtfertigen.

Machen wir uns also nichts vor, echte Spiritualität ist nichts für Menschen, welche die Bequemlichkeit der Halbherzigkeit suchen und schon gar nichst für die, die es lieber externen Autoritäten oder Texten überlassen, darüber zu entscheiden, was für sie richtig oder falsch ist.

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Echte Spiritualität ist ein Geschenk und als solches sollte es jeden Tag geehrt und gefeiert werden. Spiritualität ermöglicht es uns, mit uns und unserem Leben zurechtzukommen, so wie es die Umstände nun mal vorgeben. Sie ermöglicht uns, schwierige Erfahrungen zu verarbeiten, an ihnen zu wachsen, stärker und weiser zu werden, weil wir bewusst durch diese Erfahrung hindurchgegangen sind.

 

Spiritualität ermöglicht uns, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln und den Weg der anderen zu respektieren und zu schätzen. Spiritualität ermutigt uns dazu, die Tiefen des Herzens, des Geistes und der Seele zu erforschen und sich selbst in tiefer Verbundenheit mit einer höheren Macht oder einer Philosophie der eigenen Wahl kennenzulernen. Echte Spiritualität steigert die Lebensqualität des Einzelnen, der sie praktiziert, um ein Vielfaches!

In ihrer unschuldigen und reinen Essenz spricht grundsätzlich nichts gegen Religion, denn sie kann wahrhaftig ein wundervoller Ausdruck der eigenen Spiritualität sein. Tiefe Dankbarkeit und Liebe für die eigene Existenz, die Schönheit der Schöpfung und dessen Erschaffer zu empfinden, sie aufrichtig und in eigenem Ermessen durch individuelles Gebet und freie rituelle Handlung, allein oder zusammen mit gleichgesinnten zu feiern, wer könnte dagegen seine Stimme erheben? In diesem Sinne darfst du mich gerne als religiös bezeichnen!

 

Doch wenn Religion nicht zu dieser tiefen persönlichen und befreienden spirituellen Erfahrung führt, weil freies Denken und das Erfahren anderer Betrachtungsweisen nicht mehr erlaubt sind, dann kann ich sie nicht ernst nehmen, egal aus welchem Lager sie kommt.

Namaste!